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Kreis Heinsberg & Region

Alemannia Aachen: Von der Krise zum Überraschungsteam der Rückrunde

Foto: VM/KAM3

 Erst in der Rückrunde der Saison 2025/206 wurde Alemannia zur schwer zu schlagenden Macht im Tivoli-Stadion und zum Schrecken viele ambitionierter Aufstiegsmannschaften. 







Aachen. Nach einem enttäuschenden Herbst ist die Mannschaft von Trainer Mersad Selimbegovic stetig die Tabellenränge nach oben geklettert – angetrieben von einem historischen Sturmduo. 

Im Januar hallten auf den Rängen noch Sprechchöre gegen den Trainer durch das Stadion, die Stimmung war angespannt, die Tabellensituation ungemütlich. Doch was seitdem passiert ist, grenzt im Fußball ans Märchenhafte: Die Anti-Selimbegovic-Sprechchöre aus dem Januar sind in Aachen längst verhallt. Die Alemannia hat eine beeindruckende Serie hingelegt – mit ein paar Punkten mehr wäre man sogar im Aufstiegsrennen dabei gewesen … Zum Ende der Saison 2025/26 steht Alemannia Aachen mit 64 Punkten auf dem 7. Tabellenplatz der 3. Liga. Ein Erfolg, den im Herbst so kaum jemand erwartet hätte.  

Schwieriger Start in die Saison

Die Hinrunde verlief für die Schwarz-Gelben alles andere als reibungslos. Hätte die Alemannia die Hinrunde nicht im unteren Drittel beendet, wäre ein Aufstieg mehr als denkbar – denn in der Rückrundentabelle war Alemannia auf Platz 2, aber leider etwas zu spät. Trainer Mersad Selimbegovic, der einst selbst sechs Jahre als Spieler bei Jahn Regensburg aktiv war, stand zwischenzeitlich unter Druck. Doch der 43-Jährige ließ sich nicht beirren – und formte sein Team zu einer Macht im neuen Jahr.

Gindorf und Schroers – ein historisches Duo

Das Herzstück der Aufholjagd ist ein Angriffsduo, das in der 3. Liga seinesgleichen sucht. Lars Gindorf und Mika Schroers haben in dieser Saison gemeinsam einen Torrekord gebrochen: Mit 49 gemeinsamen Saisontoren haben Schroers und Gindorf einen Duo-Rekord in der 3. Liga aufgestellt. Formtechnisch ist Aachen das Team der Stunde, vor allem durch dieses überragende Offensiv-Duo. Gindorf allein kommt auf 28 Treffer in dieser Spielzeit und dürfte damit das Interesse weit höherer Ligen geweckt haben. Bei seinem Stammverein Hannover 96, von dem er nur für diese Saison geliehen ist, hat er einen Vertrag bis 2027. Ein herber Verlust für den Tivoli, aber auch ein Beleg dafür, welche Qualität die Alemannia in dieser Saison auf den Platz gebracht hat.

Die Rückrunde als Stärkenausweis

Mersad Selimbegovic hat die Alemannia zur zweitstärksten Rückrundenmannschaft der Liga geformt. Highlights der Rückrunde waren unter anderem ein überzeugender 3:1-Auswärtssieg in Regensburg sowie ein begeisterndes 4:1 gegen den Aufstiegskandidaten Energie Cottbus auf dem Tivoli. Auch das Torhüterkapitel verdient Erwähnung: Beim 3:1-Sieg über den MSV Duisburg überragte der Schlussmann mit einer spektakulären Doppelparade, für die Selimbegovic ihn ausdrücklich lobte. Am letzten Spieltag am Tivoli schoss Alemannia noch Havelse mit 6:1 ab, bevor man mit den Fans feierte, u. a. das 125-jährige Bestehen des Vereins.

Schreck der Aufstiegsmannschaften – mit Leihe-Konzept

Die Ausstiegsaspiranten Cottbus und Duisburg besiegt und Hansa Rostock ein 1:1 abgerungen … wie in der Vorsaison, als man Saarbrückens Aufstiegsträume am Tivoli zertrümmerte, war die Alemannia in der Rückrunde der aktuellen Saison der Schreck der Aufstiegsmannschaften. Dass der Klassenerhalt und mehr möglich wurden, liegt auch an einer Kaderpolitik, die nicht unumstritten ist. Mehrere Akteure aus dem Stamm von Mersad Selimbegovic sind nur geliehen. Wie nachhaltig dieses Konzept ist, bleibt eine offene Frage. Mit dem Abgang von Gindorf im Sommer verliert die Alemannia ihren überragenden Torjäger – und muss sich daher neu erfinden. Im Rahmen der Kaderplanung wurden zudem die auslaufenden Verträge von Sasa Strujic, Bentley Baxter Bahn, Nils Winter, Lamar Yarbrough und Felix Meyer ebenfalls nicht verlängert, diese Spieler müssen auch gehen. Die Alemannia der Saison 2026/27 wird also eine runderneuerte sein. Hoffentlich bleibt die Stärke erhalten und es gelingt Selimbegovic, diesen Schwung aus der Rückrunde in die neue Saison zu tragen und den Kader klug zu verstärken, dann könnten die Fans in der Region noch viel Spaß auf dem Weg zum erklärten Wunschziel in die 2. Liga haben …

VM/KAM3

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