Claudia Jansen von der Kultur GmbH, Bürgermeister Stephan Muckel, die Kunsthistorikerin Eva Lehmann-Weingärtner und Günther Merkens, Ehrenvorsitzender des Heimatvereins Erkelenz, (v. l.) bei der Eröffnung.
Erkelenz. Welche Geschichten verbergen sich in künstlerischen Arbeiten, die über Jahrzehnte gesammelt wurden? Antworten darauf gibt die Ausstellung „Gesichter einer Stadt – Der Erkelenzer Kunstbestand im Wandel der Zeit“, die anlässlich des 700-jährigen Stadtjubiläums im Haus Spiess eröffnet wurde. Schon eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn war das Haus rappelvoll – ein deutliches Zeichen für das große Interesse an der bislang weitgehend verborgenen Kunstsammlung der Stadt.
Rund 400 Werke regional und überregional bekannter Künstlerinnen und Künstler umfasst der städtische Kunstbestand. Seit den 1970er-Jahren wurden zahlreiche Arbeiten im Zusammenhang mit Kunstausstellungen in Erkelenz angekauft. Viele davon lagerten bislang im Archiv, andere fanden ihren Platz in Büros, Fluren oder öffentlichen Einrichtungen wie der Stadtbücherei. Eine umfassende Präsentation der Sammlung gab es jedoch bisher nicht. Mit der Ausstellung im Haus Spiess wird dieser Schatz nun erstmals in einer sorgfältig zusammengestellten Auswahl der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Idee dazu ist keineswegs neu. „Die Überlegung, die Kunstwerke der Stadt einmal zusammenzuführen und den Bürgerinnen und Bürgern zu zeigen, gibt es schon seit fast 20 Jahren“, erinnerte die Kunsthistorikerin Eva Lehmann-Weingärtner bei der Eröffnung. Bereits 2007 hatte die Stadt sie mit der digitalen Erfassung und Archivierung des umfangreichen Bildbestands beauftragt. Schon damals sei über eine Ausstellung gesprochen worden. Auch Günther Merkens, Ehrenvorsitzender des Heimatvereins Erkelenz und langjähriger Begleiter der örtlichen Kunstszene, erinnerte an frühere Überlegungen. Gemeinsam mit dem damaligen Stadtarchivar Theo Görtz sei immer wieder der Wunsch aufgekommen, die städtischen Kunstwerke aus ihrem Schattendasein zu holen. Ausgestellt wurde früher in der Burg und im Alten Rathaus, später im Haus Spiess. Doch eine umfassende Sichtung und Präsentation des gesamten Bestands blieb bislang aus.
Dass das Vorhaben nun Wirklichkeit wurde, ist auch der Initiative von Kulturmanager Sascha Dücker zu verdanken, wie deutlich wurde. Er brachte Lehmann-Weingärtner und Merkens zusammen und gab damit den Anstoß für das Ausstellungsprojekt im Jubiläumsjahr. Aus dem nahezu 400 Werke umfassenden Bestand wählten die beiden schließlich 38 Arbeiten aus. „Die Auswahl ist nicht leicht gefallen“, betonten Merkens und Lehmann-Weingärtner. Schließlich sollte die Ausstellung nicht nur unterschiedliche künstlerische Positionen zeigen, sondern zugleich die vielfältigen Gesichter der Stadt sichtbar machen. Die Ausstellung gliedert sich in fünf Themenbereiche, die unterschiedliche Facetten Erkelenz’ beleuchten. Im Mittelpunkt stehen der Mensch, der Braunkohlentagebau, die Nieder-rheinlandschaft, die Baudenkmäler und Stadtansichten sowie Abstraktionen als Freiheit der Form. Allen Arbeiten gemeinsam ist ihr Bezug zu Erkelenz – sei es durch die dargestellten Motive oder durch die Künstlerinnen und Künstler selbst. So begegnen den Besucherinnen und Besuchern vertraute Orte und Gebäude ebenso wie überraschende Perspektiven auf die eigene Stadt. Erläuternde Texttafeln geben zusätzliche Einblicke in die Werke und ihre kunsthistorischen Hinter-gründe.
Bürgermeister Stephan Muckel zeigte sich bei der Eröffnung erfreut über die große Resonanz und darüber, dass neben zahlreichen Gästen auch einige der Künstler oder deren Familienangehörige anwesend waren. Die Ausstellung mache eindrucksvoll sichtbar, „was die Stadt in ihren vielen Facetten ausmacht“. Besonders würdigte Muckel die intensive Arbeit der beiden Ausstellungsmacher, die „unzählige Stunden“ damit verbrachten den Bestand zu sichten, Werke auszuwählen und die Ausstellung zusammenzustellen sowie erstmalig auch einen begleitenden Ausstellungskatalog zu erstellen, der 86 Seiten umfasst, wo mehr über Künstler und Werke zu lesen sei. Zum Abschluss der Eröffnung dankten Günther Merkens und Eva Lehmann-Weingärtner allen Beteiligten, insbesondere Dr. Hans-Heiner Gotzen, dem Ersten Beigeordneten der Stadt Erkelenz und Geschäftsführer der Kultur GmbH, Kulturmanager Sascha Dücker, dem Stadtarchiv mit Thilo Her-manns, der sämtliche Kunstwerke für die Publikation neu fotografierte, sowie den Mitarbeitenden des Bauhofs für ihre Unterstützung bei der Umsetzung des Projekts.
Der Ausstellungskatalog ist während der Ausstellung im Haus Spiess zum Preis von zehn Euro erhältlich. Im Anschluss können, sofern noch Exemplare verfügbar sind, weitere Kataloge in der Buchhandlung Viehausen für 15 Euro erworben werden. Der Erlös aus dem Verkauf kommt vollständig dem Hospiz Erkelenz zugute.
Info
Die Ausstellung „Gesichter einer Stadt – Der Erkelenzer Kunstbestand im Wandel der Zeit“ kann an den Wochenenden 7./8., 14./15., 21./22. und 28./29. November jeweils von 13 bis 18 Uhr im Haus Spiess besucht werden.
Text: Eva Weingärtner














