Hilfe aus der Landwirtschaft im Ernstfall
Heinsberg. Nach dem verheerenden Großbrand im benachbarten Hürtgenwald (Kreis Düren) – dem bislang größten Waldbrand in Nordrhein-Westfalen – und dem Feuer im Hohen Venn ist die Hilfsbereitschaft in der Region enorm. Auch im Kreis Heinsberg haben sich in den vergangenen Tagen zahlreiche Landwirte, Forstbetriebe und Fuhrparkunternehmer gemeldet, um den Feuerwehren im Ernstfall mit schwerem Gerät, Wassertransporten und logistischer Unterstützung zur Seite zu stehen. Um diese wertvollen Hilfsangebote im Katastrophenschutz strukturiert und schnell abrufbar zu bündeln, setzt der Kreis Heinsberg auf die digitale Plattform Red Farmer.
„Die spontane Solidarität und das Engagement unserer Land- und Forstwirte sowie der Transportunternehmen sind ein starkes Zeichen für den Zusammenhalt in unserer Region“, sagt Kreisbrandmeister Klaus Bodden. „Um im Ernstfall keine wertvolle Zeit durch unkoordinierte Abläufe zu verlieren, müssen wir vorab genau wissen, welche Spezialgeräte und Kapazitäten wo verfügbar sind. Über Red Farmer schaffen wir eine direkte, verlässliche Schnittstelle zwischen unseren Einsatzkräften und den freiwilligen Helfern.“
Der Kreis Heinsberg hat auf dem Portal (redfarmer.eu) einen zentralen Account eingerichtet. Freiwillige Helferinnen und Helfer können sich dort jederzeit und unkompliziert registrieren und ihre verfügbaren Fahrzeuge sowie Geräte eigenständig verwalten und anbieten. Gesucht wird eine breite Palette an land- und forstwirtschaftlicher Ausrüstung, darunter:
• Güllefässer, Wassertanks und Zugmaschinen für den zügigen Aufbau von Löschwasserkapazitäten im unwegsamen Gelände
• Scheibeneggen, Grubber und Pflüge zur schnellen Anlage von Wundstreifen und Schneisen
• Forstrückefahrzeuge, Holzvollernter und Rückewagen zur Beseitigung von Hindernissen und zur Unterstützung bei Forstarbeiten
• Schwere Transport- und Fuhrparktechnik
Kommt es im Kreis Heinsberg zu einem größeren Vegetationsbrand oder einer sonstigen Großschadenslage, greift die Leitstelle des Kreises Heinsberg in Erkelenz auf die hinterlegten Daten zu. Die Einsatzleitungen der örtlichen Feuerwehren können die Kontaktdaten der registrierten Helfer direkt abrufen und bei konkretem Bedarf gezielt Verbindung aufnehmen.
Die Registrierung und die spätere Bereitstellung von Maschinen erfolgen vollständig auf freiwilliger Basis. Auch im Falle einer konkreten Alarmierungsanfrage steht es jedem Betrieb jederzeit frei, eine Unterstützung je nach aktueller betrieblicher Lage abzulehnen.
Interessierte Betriebe und Fahrzeughalter können sich ab sofort online unter https://redfarmer.eu registrieren und ihre Einsatzmittel eintragen. Red Farmer ist eine webbasierte Plattform, die als digitale Schnittstelle zwischen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) – insbesondere Feuerwehren und Katastrophenschutzstäben – sowie der privaten Land- und Forstwirtschaft fungiert. Ziel des Systems ist es, die sogenannte Spontan- und Fachhilfe aus dem Agrarsektor von einer unkoordinierten Einzelinitiative in ein vorstrukturiertes, lückenlos dokumentiertes Einsatzmittel zu überführen.
Landwirte, Lohnunternehmer, Forstbetriebe oder Transportunternehmen legen auf redfarmer.eu ein individuelles Profil an. Dabei werden einsatzrelevante Stammdaten sowie der konkrete Fuhrpark digital erfasst:
• Standort & Erreichbarkeit: Hinterlegung genauer Adressdaten des Betriebs (oft inklusive GPS-Koordinaten des Maschinenhofs) sowie Mobilfunknummern für die 24/7-Alarmierung im Ernstfall
• Fahrzeug- und Gerätedaten: Detaillierte Erfassung der Technik nach Kategorien
• Wassertransport: Fassungsvolumen (z. B. 5.000 bis 30.000 Liter), Bauart (Güllefass, Poly-Tank, Vakuumfass), Anschlüsse und Kupplungen (z. B. Storz-A/B, C-Kupplung, Saugschläuche)
• Bodenbearbeitung: Scheibeneggen, Tiefengrubber, Pflüge für die Anlage von Brandschneisen und Wundstreifen
• Forsttechnik: Seilwinden, Rückewagen, Forsträumer zur Beseitigung von Totholz und Baumhindernissen
• Zugtechnik: Leistungsklassen der Traktoren (PS/kW), Allradantrieb, Bereifungsart (Geländegängigkeit)
• Verfügbarkeitsstatus: Der Eigentümer behält jederzeit die Datenhoheit und kann angeben, ob Geräte saisonal gebunden, einsatzbereit oder vorübergehend außer Betrieb sind.
Auf Behördenseite – im Kreis Heinsberg gesteuert über die Leitstelle in Erkelenz bzw. die Einsatzleitungen vor Ort – bietet das Portal eine interaktive, digitale Kartenübersicht: Bei einem Vegetationsbrand in einem bestimmten Wald- oder Feldabschnitt filtert die Einsatzleitung nach benötigter Technik in einem definierten Radius (z. B. „Güllefässer ab 10.000 l im Umkreis von 10 km“).
Statt manueller Telefonlisten sieht der Lagedienst sofort die einsatzbereiten Betriebe samt Ansprechpartner, Entfernung zum Schadensort und technischer Ausstattung. Die Feuerwehr kontaktiert den Helfer direkt per Telefon oder SMS/Alarmmeldung, beschreibt den Treffpunkt (z. B. Bereitstellungsraum) und die konkrete Aufgabe (z. B. „Wassertransport im Pendelverkehr“). Die Registrierung verpflichtet zu keinem Einsatz. Ist ein Schlepper im Feld im Einsatz oder der Fahrer nicht verfügbar, kann die Anfrage ohne Weiteres abgelehnt werden. Registrierte Helfer fahren nicht eigenmächtig an Brandherde, sondern werden strukturiert über Bereitstellungsräume von den Führungskräften der Feuerwehr eingewiesen und geführt.
Das System erleichtert im Nachgang außerdem die verwaltungsseitige Erfassung von Einsatzstunden, Treibstoffverbrauch und Aufwandsentschädigungen gemäß den katastrophenschutzrechtlichen Vorgaben (BHKG NRW).
Quelle: PM Kreis Heinsberg
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