Foto: Collectie Stichting Lourdesgrot Valkenburg/Evelien Flachs / Flachsfotografie
Freiwillige aus Valkenburg bei den Bauarbeiten mit einer Marienstatue. Bereits 1926 wurde dort die erste Messe gefeiert.
Text im Orginal von Els Spanjer & Rob Dijksman
(Der Beitrag wurde vom Verlag aus dem Niederländischen ins Deutsche übersetzt und redaktionell bearbeitet.)
Valkenburg (NL). Eine Pilgerreise nach Lourdes war für den durchschnittlichen Limburger Ende des 19. Jahrhunderts nicht möglich. Deshalb fiel vor genau hundert Jahren der Startschuss für den Bau einer exakten Nachbildung der berühmten Mariengrotte – allerdings in Valkenburg.
In den Niederlanden gibt es etwa 120 Lourdes-Kapellen in allen möglichen Formen und Größen. Früher waren es einmal mehr. Mindestens fünfunddreißig sind verschwunden. Die älteste, aus dem Jahr 1874, steht in Maastricht. Nicht weit davon entfernt, in Valkenburg, feiert man in diesem Jahr, dass Pfarrer Willem Hermans vor einem Jahrhundert den Startschuss für den Bau einer exakten Nachbildung im gleichen Maßstab der Mariengrotte von Massabielle in Lourdes auf dem Cauberg gab. Er finanzierte diesen Bau größtenteils aus eigener Tasche.
Ein Kunstkenner
Hermans Vorgänger, Pfarrer Ferdinand Sarton, kam um 1900 auf die Idee, die Lourdes-Grotte nachzubauen. Für seine Gemeindemitglieder und – eine Neuheit für das Städtchen am Geul – für Touristen. Die katholische Tageszeitung „De Tijd“ bezeichnete ihn im Mai 1915 anlässlich seines vierzigjährigen Priesterjubiläums als „einen Kunstkenner wie nur wenige“ und schrieb, dass Sartons „taktvolles Auftreten mehrfach schwere Konflikte zwischen der Bevölkerung verhindern konnte, die politisch oft sehr scharf gegeneinanderstand“.
Nach der Gründung des Fremdenverkehrsvereins „VVV Het Geuldal“ im Jahr 1885 kam der Tourismus in Valkenburg recht schnell in Schwung. Einen zusätzlichen Schub erhielt er 1913, als die Eisenbahnverbindung für den Transport von Limburger Kohle in den Norden verbessert wurde und ein Wochenendausflug nach Süd-Limburg die Bewohner die Bewohner der Randstad anzog.
Plan nimmt Fahrt auf
Erst 1924, zwei Jahre nach seinem Tod, nimmt Sartons Plan Fahrt auf. Auf dem Cauberg findet der Kirchenvorstand einen geeigneten Bauplatz, eine alte Schafweide. Die Gemeinde ist Eigentümerin und bereit, die Weide für 25 Gulden zu verkaufen. J. de Ras, ein Architekt aus Maastricht, reist nach Lourdes, um nicht nur die Grotte, sondern auch die Sakristei, den Prozessionsweg und den Vorplatz, die Esplanada, genau zu vermessen.
Die angeheuerten Bauarbeiter machten sich 1926 mit solcher Begeisterung an die Arbeit, dass sie viel zu viel Mergel abtrugen. Um die Kosten zu senken, übernahmen freiwillige Gemeindemitglieder ihre Aufgabe. Auch dann bezahlte der nicht gerade mittellose Hermans einen Großteil der Rechnungen aus eigener Tasche.
Drei Monate, nachdem der erste Spatenstich in den Mergel erfolgt war, steht die von der Familie Diepen gestiftete Marienstatue aus Lourdes bereits in der Grotte, die sich noch im Bau befindet.
Ein besonderes Geschenk
Erst nachdem sich die Nachbarn auf der anderen Straßenseite, die Patres vom Heiligen Herzen, einschalteten und der Bildhauer Jos Eymael aus Valkenburg die Leitung übernahm, kehrte wieder Ordnung in das Projekt ein. „Die durch unüberlegtes Handeln entstandenen Schäden werden mit Beton behoben. Als Vorbild diente ihnen die Gipsnachbildung der Grotte, die der Pater der Kongregation der Heiligen Herzen, Jerôme Koolen, nach seinem Besuch in Lourdes angefertigt hatte“, erzählt Wim ter Beek, Kurator der Jubiläumsausstellung, die er im Museum Valkenburg gestaltet hat. Der Pater brachte auch ein ganz besonderes Geschenk der Familie Soubirous mit: vier Reliquien von Bernadette, die damals noch nicht heiliggesprochen war. „Valkenburg entwickelte sich in den 1920er Jahren zunehmend zu einem touristischen Anziehungspunkt. Durch den Aufschwung von Industrie und Bergbau kamen neue Einflüsse nach Südlimburg“, erzählt Ter Beek. „Die Initiatoren wollten, dass die Höhle ein spirituelles Gegengewicht bildet. Angesichts all der Veränderungen, die auf Valkenburg zukamen, sollte sie ein Ort der Besinnung und des Glaubens sein.“
Besondere Rolle im Zweiten Weltkrieg
Im Zweiten Weltkrieg spielte die Lourdesgrotte eine besondere Rolle. Die deutschen Besatzer verboten Prozessionen, doch Pfarrer Ad Welters beschloss, sich dem zu widersetzen. In den Jahren 1942 und 1944 zogen Tausende von Teilnehmern in einer Prozession über die Wiese oberhalb der Grotte.
Der Widerstand des antideutschen Kaplans Hub Hennekens ist eine ganz andere Sache. Er zitierte aus den antinationalsozialistischen
Predigten des deutschen Bischofs Clemens August von Galen und vervielfältigte dessen Texte, um sie zu verbreiten. Nach seiner Verhaftung im Jahr 1942 landet er in Dachau. Im Juni 1945 heißt Valkenburg ihn mit einer Messe in der Lourdesgrotte wieder willkommen.
Wunderbare Heilungen, wie die 72 Fälle in Lourdes, die vom Vatikan als Wunder anerkannt wurden, gab es in Valkenburg nicht. Allerdings haben viele dort Hoffnung, Trost oder Frieden gefunden. Spirituelle Heilungen, aber keine medizinischen Wunder.
Die Ausstellung „100 -Jahre Lourdesgrotte Valkenburg 1926–2026“ ist bis einschließlich 27. November 2026 im Museum Valkenburg, Grotestraat Centrum 31, 6301CW Valkenburg aan de Geul, zu sehen.
Weitere Informationen:
www.museumvalkenburg.nl
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 13:00–17:00 Uhr.














